LUNA - Sitzungsball in Köln am 06.02.2010

Eine Reise zwischen zwei Welten dauert ungefähr eine Flugstunde

Am 06.02. bestiegen um 7:00 Uhr bei dichtem Schneetreiben, eisigem Wind und Minustemperaturen 6 Berliner den Flieger, um in Köln am LUNA - Sitzungsball der
GKG Greesberger e. V. Köln von 1852 teilzunehmen.

Ungefähr eine Flugstunde später landeten wir in einer anderen Welt – in Köln.
Kein Schnee, kein Wind und Plusgrade.

Auf der Fahrt zu unserem Hotel, dem Coellner Hof, sah ich endlich wieder „meinen“ Dom und hörte Marc Metzger singen: „Herrlich stund der staatse Dom em Sonnesching am Rhing
Ich künnt Dir nit verzälle dat mie Hätz nit laach, wenn ich en Kölle ben“, denn ich war zu Hause.

Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem Bummel bei herrlichem Wetter durch Köln machten wir uns nachmittags fein parat und erneut auf den Weg. Diesmal nun zur Frankenwerft, wo der Katamaran der KD „MS Rheinenergie“ festgemacht hatte, denn auf diesem Riesenschiff sollte ja der Luna Sitzungsball wieder stattfinden.

Natürlich waren, außer mir, mit von der Partie der Vorstand der Blauen Garde Britz mit Margot, Ines, Karin und Roland, sowie meine Freundin Carola.
Dazu stießen dann noch meine Schwester Veronika mit ihrem Lebensgefährten Philipp und mein Bruder Konrad.

Die "Greesberger" sind schließlich die älteste Familien - Karnevals - Gesellschaft und wo wäre ein Familientreffen treffender als wie hier.

Die „Kappesboore“ (übersetzt: Kohlbauern), aus denen die „Greesberger“ entstanden bzw. gegründet wurden, bezeichneten früher den Vorsteher oder Obmann einer Bauernbankgemeinde, einer der fünf Vereinigungen Kölner Gemüsegärtner, schlicht und einfach Ovverdöner, was aber in keinster Weise etwas mit dem türkischen Fleischgericht, dem „Döner“, zu tun.

Je größer Köln wurde, umso mehr verschwanden die „Kappesboore“. Die Letzten waren um 1910 wahrnehmbar. Im Mittelalter hießen die Vorsteher amtlich auch Bauernmeister.

Heute nennt er sich einfach Präsident der Kappesboore. Sagt man in Köln „Präsident“, dann meint man einen Karnevalspräsidenten. Wünschenswert ist, dass ein Präsident aus den eigenen Reihen der Mitglieder hervorgeht, damit er mit dem Leben in der Gesellschaft vertraut ist.

Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass der „Ovverdöner“ der Greesberger, der Präsident Detlef Kramp selbst durch das Spitzenprogramm führte.

Natürlich stellte der "Sitzungsball - Leiter" auch die Band des Abends vor.
Auf dem Programm stand das Orchester Helmut Blödgen, aber dieses Orchester hatte Terminprobleme und mußte kurzfristig absagen, Also mußte schnell Ersatz her.

Beim Fußball gab es früher Ersatzspieler. Fiel also damals ein Spieler aus, mußte man auf einen Ersatzspieler zurückgreifen, der manchmal eben aus einer anderen Liga kam.

Heute gibt es die Ergänzungsspieler. Fällt heute ein Spieler aus, kann man zum Glück auf einen Ergänzungsspieler zurückgreifen, der das "Loch" ebenbürtig ausfüllt

Die "Black & White Coverband" aus Siegburg war bzw. ist so eine Ergänzung.
Sie hat vor dem Programm, in den Tanzpausen und auch hinterher gezeigt, was sie drauf hat und mit ihrer Musik und ihrem Gesang das närrische Volk bei Laune gehalten. Die Tanzfläche war auch stets gefüllt - einfach Spitze.

Der erste Programm - Höhepunkt (Dank des Literaten Charly Sünder gab es heute wieder nur Höhepunkte) wurde angekündigt - die Jugendtanzgruppe "Kölsche Greesberger"

Eine schier endlos wirkende Schlange von Tänzerinnen und Tänzern marschierte aus dem hinteren Teil des Schiffes auf die Bühne.

Da diese Truppe zu den Greesbergern gehört, marschierten sie zu den Klängen des "Greesberg - Marsches" ein.

Ihr Sprecher Philipp begrüßte das närrische Publikum und dann ging es los.

Diese Truppe hat sich im Sommer 2009 zusammengefunden und ist seitdem ein weiteres Aushängeschild der Greesberger.

Sie präsentierten an diesem Abend vier Tänze der Spitzenklasse mit Hebefiguren und Akrobatik. Einfach genial und immer wieder sehenswert.
Die Zuschauer waren total aus dem Häuschen und auch wir Berliner (wir sahen diese tolle Truppe zum ersten Mal) kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Es muß erwähnt werden, daß sie diese Topleistung gezeigt haben, obwohl sie am Nachmittag noch am 6. Colonaden-Pänz-Pokal teilgenommen haben.
Der Colonaden-Pänz-Pokal ist ein Wettbewerb der unter den Kindertanzgruppen des Kölner Karnevals ausgetragen wird. Die Greesberger belegten dort den 3. Platz. Dazu auch noch an dieser Stelle unseren Glückwunsch.

Was in Berlin selten zu sehen ist oder wenn, dann auch nicht unbedingt ankommt, das gehört in Köln dazu - ein Büttenredner.

Früher traten diese Redner in einer Art "Bütt" (wörtlich übersetzt: Wanne) auf und so entstand der Name Büttenredner.
Irgendwann verschwand die "Bütt" und wurde durch ein Rednerpult ersetzt
Heute bewegen sich die Redner meistens frei auf der Bühne und halten ihren Vortrag.

So wie hier und heute Peter Raddatz als "Dä mit dem Hötche". Seit 1965 tritt Peter in der Type: “Dä Mann met däm Hötche” als Büttenredner auf und feierte als Redner große Publikumserfolge. Mit seiner rheinisch - hochdeutschen Vortragsart vermag er mit seinen Büttenreden in vielen Sälen zu begeistern.
Seine Pointen kamen natürlich auch auf dem Schiff gut an.

Die Greesberger sind eine Karnevalsgesellschaft, die eine eigene Reiterstaffel beheimatet. Ebenso, wie gesehen, eine eigene Jugendtanzgruppe. Später, das darf ich hier schon verraten, tritt noch die eigene Tanzgruppe auf.

Jetzt aber stand die eigene Mundartband auf dem Programm.

Im letzten Jahr durften wir sie noch als "Zollhuus Extrascharf" bewundern. Diesmal im neuen Outfit (in den Greesbergfarben schwarz/orange) und mit neuem Namen
"Zollhuus Colonia"

Es handelt sich lediglich um eine Namensänderung, denn ihr Programm ist immer noch extrascharf.

Zollhuus Colonia hat nicht nur den Namen geändert, sondern auch ihr Logo, wie man auf ihrer Internetseite sehen kann. Das alte Logo mit der "extrascharfen" Paprikaschote ragt über dem schwarzen Kölner Adler, den sie, mit Sondergenehmigung der Stadt Köln, mit der "Greesberg - Farbe" orange gefärbt haben bzw. färben durften.

Ihr Können hat sich inzwischen herumgesprochen, sodass sie am 11.11.2009 zum ersten Mal bei der Eröffnung des Karnevals neben den anderen namhaften Bands auf der Bühne am Heumarkt auftreten durften.

Ihr Auftritt auf der "Rheinenergie" kam einem Erdbeben gleich, das Schiff begann zu schwanken und die Sicherheitskräfte zogen die Taue fester an, damit sich das Schiff nicht losreißt.
Drinnen beschlugen die Scheiben, denn das Volk tobte. Zum Glück waren die Tische und Stühle, auf denen ausgelassen getanzt wurde, sehr stabil und es gab keine Verletzten.

Rudi Schnitzler und seine Mannen heizten mächtig ein und wenn es nach dem närrischen Volk gegangen wäre, würden sie wahrscheinlich heute noch auf der Bühne stehen.

Nach diesem Auftritt benötigten einige Zuschauer ein Sauerstoffzelt und die freundlichen "Kellner und Kellnerinnen" hatten ihre Hochzeit. Sie mußten schnellstens das kühle Kölsch liefern, damit die heißgesungenen Stimmbänder gekühlt werden konnten.

Nach diesem Auftritt versuchte man mit einer ruhigen Tanzpause das närrische Volk etwas zu beruhigen. Vergebens, denn nur kurze Zeit später füllte sich erneut die Bühne. Wie ich vorhin schon angedeutet habe, stand nun mit der Tanzgarde der Greesberger der nächste Höhepunkt auf dem Programm

Waren es vorhin in der JTG noch die "Kleinen" von 8 bis 17 Jahren, die auf der Bühne standen, so waren es jetzt die "Großen" von 18 Jahren an aufwärts.
Auch sie sind die "Kölschen Greesberger", eben "nur" die Großen.

Jan, ihr Sprecher, begrüßte auch das närrische Volk und die Post ging ab.

Wie die JTG, so hat sich auch diese TG zeitgleich zusammengefunden. In dieser kurzen Zeit solch einen Auftritt hinzulegen ist schon phänomenal.

Auch die TG präsentierte nicht nur einen Tanz, sondern wirbelten mehrmals über die Bühne und in den sehr kurzen Pausen, bestätigten die Beifallsstürme der begeisterten Zuschauer die Klasse dieser Darbietung.

Bei den akrobatischen Hebefiguren standen den Zuschauern die Münder offen, aus denen dann Ohhh und Ahhh Laute zu hören waren.

 

Erst warfen die Mädels noch ihre Beine, kurz danach wirbelten die Jungs ihre Mädchen ein wenig durch die Luft und zuletzt setzten die Mädchen zu regelrechten Höhenflügen an.

Zum so genannten Schlußbild wollte der Beifall nicht enden.

Der, verständlicherweise, überaus stolze Präsident mußte die Rufe nach Zugaben "abwürgen". Erstens waren die Tänzer und Tänzerinnen erschöpft und zweitens mußte das Programm eingehalten werden - man war schon etwas aus der Zeit.

Aber wie die JTG, so wird auch diese TG noch öfters zu sehen sein und den Greesbergern viel Freude bereiten. Nicht nur den Greesbergern, sondern auch den Zuschauern.

Danach wurde es wieder rockig auf der Bühne und das Volk tobte.

Peter Brings und seinen Mannen - die Gruppe Brings - zogen alle Register.

Das hieß wieder Stimmung pur, denn die Lieder kannte jeder. Halleluja, haben wir alle mitgegrölt. Die Stühle, eben noch Sitzgelegenheiten, wurden erneut zu Stehplätzen, denn der Platz vor der Bühne wurde zur Sardinenbüchse.

Brings hatte die Bühne geräumt und kurz danach marschierten Männer in weißen, mit rot abgesetzten Uniformen die Bühne - die Prinzengarde der Stadt Köln.

Wegen der Farbwahl der Uniformen werden sie auch scherzhaft "Mählsäck" (übersetzt: Mehlsäcke) genannt.

Da die Prinzengarde ständige Begleitung des Prinzen ist, war auch dem Letzten klar, de Prinz kütt.

Aber natürlich nicht alleine, sondern in Begleitung von Bauer und Jungfrau, denn in Köln regiert ein Dreigestirn.

Auf der Bühne sah man aber auch zwei Herren in grün - gelber Uniform. Diese Herren gehören der Ehrengarde der Stadt Köln an.
Die Ehrengarde, scherzhaft auch Spinat mit Ei genannt, ist ständige Begleitung von Bauer und Jungfrau und verpflichtet, für die Beiden zwei Adjutanten abzustellen.

Präsident Detlef Kramp stellte das Dreigestirn vor.

Prinz Markus I., Bauer Hubert und Jungfrau Martina.

In diesem Jahr wurde das Dreigestirn von der
KG Große Braunsfelder 1976 e. V.
gestellt.

Natürlich wurden auch die Orden "ausgetauscht"

Prinz Markus sprach dann noch an das närrische Volk und erklärte das "Motto", daß diese Drei sich auf die Plaggen (Fahne oder Standarte) geschrieben hatten.

"En Braunsfed ha´mer uns jefunge,
dunn bütze und fiere, meer drei kölsche Junge"

Obwohl es eigentlich verständlich ist, hier die wörtliche "Übersetzung"

In Braunsfeld haben wir uns gefunden,
tun küssen und feiern, wir drei kölschen Jungen.

Bevor die Drei dann weitergezogen sind, haben sie noch mit uns zusammen gesungen.

"Mir sind stolz" heißt das Lied und alle Kölner sangen mit.

 

Mit Gesang ging es dann weiter

Es gibt jede Menge Bands in Köln oder besser gesagt "Boy - Groups".

Hier und heute traten aber die Töchter Köln´s auf. Ute Geller und ihre Mädchen -
die Gruppe Colör.

Schon stieg die Stimmung wieder und auch der Letzte weiß jetzt, daß es ein "Supergeiles Jahr" wird.

Den letzten Höhepunkt des Programm stellte ein Clown mit seiner Trompete.
Bruce Kapusta.

Seit über 15 Jahren ist er als "Clown mit der Trompete" auf den Bühnen zu sehen. Aber er macht nicht nur "Dä Clown für üch", sondern ist ein Entertainer, der schon auf vielen Bühnen gestanden hat.

Auch auf der Rheinenergie begeisterte er mit seiner Trompete, seinem Gesang und mit seiner Show überhaupt.

Wir Berliner haben ihn zuletzt erst beim Deutschen Beamtenbund bewundern dürfen, wo er zu den Stammgästen zählt.

Danach verabschiedete Detlef Kramp die Gäste, denn das offizielle Programm war zu Ende. Das hieß aber nicht, daß wir alle nach Hause gegangen sind, denn bis in die frühen Morgenstunden machte "Black & White" noch weiter Programm. Somit leerte sich das Schiff ganz, ganz langsam.

Noch eine kurze Anmerkung

Diese Beiden haben uns gezeigt wie das Motto des Kölner Karnevals in dieser Session lautete

"In Kölle jebützt" - dat Jlöck muss mer han

Wir hatten das Glück und haben sogar mitgemacht.

Eine weitere Anmerkung zum Schluß in eigener Sache

Ich möchte mich, auch im Namen meiner Berliner Freunde, bei diesen beiden Menschen (stellvertretend für alle Greesberger) ganz herzlich bedanken.

Claus Adams und mein Schulfreund Bernhard Vosen (heute "nur" noch Freund).

Durch diese Beiden sind wir erst zu den "Greesbergern" gekommen bzw. auf die "Greesberger" aufmerksam geworden. Seitdem genießen wir diese Herzlichkeit, die uns entgegengebracht wird.

Man sagt immer "Ich hab noch einen Koffer in Berlin", wir haben aber einen Koffer in Köln. Und nicht nur einen Koffer, sondern auch viele Freunde.

Diese Beiden haben auch die ganzen Fotos der Veranstaltung gemacht und mir bzw. uns zur Verfügung gestellt. Danke.

Auch meiner Freundin Carola, karnevalistisch noch relativ unbeleckt, aber schon leicht infiziert, hat es sehr gut gefallen und meinte:
"Karneval mit den Greesbergern, da bin ich dabei"

Nach kurzer Nacht und ausgiebigem Frühstück haben diese Beiden mit uns noch einen Stadtbummel gemacht und mit uns zu Mittag gegessen. Wir haben noch viel erzählt und viel gelacht. Auf dem Weg zum Flughafen wurde die Stimmung aber immer leiser, denn das Abenteuer "Luna Sitzungsball" war zu Ende.

Im Flugzeug habe ich dann erneut eine Stimme singen gehört. Die Stimme von Marita Köllner, die leise sang.
"Denn et Heimwih nimms de met, Denn ding Heimat verjiss de nit. Un em Hätze die Ping es et Heimwih noh Kölle am Rhing."

Kurz danach landeten wir dann wieder im winterlichen Berlin bei minus 3 Grad und leichter Schneeglätte.

   
Text:
Ludwig Bonn
Fotos:
Claus Adams, Bernhard Vosen, Manfred Waider
©2010 FEN  Föderation Europäischer Narren - Landesverband Berlin
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